„Internationale Wochen gegen Rassismus“ in Esslingen auch 2021 im Zeichen der Pandemie

Auch in diesem Jahr wird es Veranstaltungen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus Esslingen vom 15. bis 28. März geben – pandemiebedingt allerdings überwiegend in Form digitaler Formate. Wir möchten alle Esslinger*innen herzlich einladen, sich daran zu beteiligen! Der Kampf gegen Rassismus ist eine Aufgabe, bei der unsere Gesellschaft als Ganzes gefordert ist.

Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass es viele Ansätze von gelebter Solidarität in der Pandemie gab und gibt. Das macht Mut und stärkt die Gemeinschaft. Auf der anderen Seite haben auch im Landkreis Esslingen die Fälle von Diskriminierung weiter zugenommen. Gruppen, die sich plötzlich nicht mehr sicher fühlen, Menschen, die aufgrund ihres Aussehens angefeindet werden, schlechte „Witze“ gegenüber vermeintlichen Minderheiten – Diskriminierung im Alltag kann viele Gesichter haben. Schon damals hat das Coronavirus uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das vielfältige Programm, das wir auf die Beine gestellt hatten, konnten wir nicht verwirklichen. Einiges haben wir im Herbst nachgeholt, aber längst nicht alles.

Gegen Diskriminierung und Rassismus gibt es leider keinen Impfstoff. Aber es gibt zum Glück gute Wirkstoffe: Menschliche Begegnungen und die Offenheit dafür, dass Vielfalt und Buntheit in der Gesellschaft bereichernd sind. Setzen Sie sich mit uns dafür ein, dass Esslingen mit all seinen Facetten und mit der Vielfalt seiner Menschen lebens- und liebenswert bleibt!


Vorprogramm

„Ausfahrt in Lila –  Wege aus der toxischen Männlichkeit“

Freitag, 12. März, 20.00 Uhr – Online
Organisiert vom Kulturzentrum Dieselstrasse e.V.

Vortrag von Sebastian Tibbe

Der Begriff „Toxische Männlichkeit“ ist spätestens seit der #metoo-Bewegung permanent in den Medien zu finden – ob in Zeitungen, auf Blogs, in sozialen Netzwerken, im TV, in Podcasts oder im Radio. Der Begriff „Toxische Männlichkeit“ wird von Männern jedoch vehement abgelehnt – es wird behauptet, dass es dabei ausschließlich um „die anderen“ gehen würde und sie selber gar nicht gemeint sind, denn sie „seien ja kein Vergewaltiger“.
Was ignoriert wird: Toxische Männlichkeit betrifft alle Jungen und Männer und tritt in jeglichen Lebensbereichen auf. Sie beginnt bei alltäglichen Handlungen in der Familie oder in der Partnerschaft, im Hobby, unter Bekannten, beim Lebensstil oder beispielsweise bei der Lohnerwerbstätigkeit und zeigt sich in frauenfeindliche Einstellungen, Verhaltensweisen und Präsentationen von Jungen und von Männern sowie in den Privilegien, die Jungen und Männer erhalten, die Mädchen und Frauen gleichzeitig verwehrt bleiben. Damit schaden Männer aber nicht nur anderen, sie schaden auch massiv sich selbst.

Frauen setzen sich täglich gegen alle Formen von Diskriminierung, gegen Gewalt und gegen Benachteiligung von Mädchen und Frauen ein und erhalten dafür enorme Gegenreaktionen von Männern. Auffällig dabei ist, dass Männer im Kampf um Gleichberechtigung absolute Mangelware sind.

Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, was genau toxische Männlichkeit eigentlich ist und wie Männer daran arbeiten können, um ihre Einstellungen und Verhaltensweisen zu verändern.

Darüber hinaus wird es um die Fragestellung gehen, warum es für Männer so schwierig ist, Feminist zu werden und was sie daran hindert, sich für Gleichberechtigung einzusetzen.

Referenten-Info:
Sebastian Tippe ist Diplom-Pädagoge und Autor des Buchs „Toxische Männlichkeit. Erkennen, reflektieren, verändern“. Er arbeitet als Fachberater für Erziehungsstellen sowie als Fachkraft bei Kindeswohlgefährdung. Sebastian Tippe hält Vorträge, gibt Webinare, schreibt Artikel und bietet Workshops zu feministischen Themen an, insbesondere zu toxischer Männlichkeit.

Die Veranstaltung findet je nach aktueller Lage live oder als Zoom statt. Bitte informieren Sie sich unter www.dieselstrasse.de. Dort finden Sie auch alle Informationen zur Anmeldung.


Auftaktveranstaltung

Gegen Antimuslimischen Rassismus: Was braucht es für eine gleichberechtigte Gesellschaft?

15.03.21 von 19 bis 21 Uhr | Online

Antidiskriminierungsstelle Esslingen (ADES)
Anmeldung erforderlich: anmeldung@ad-es.de
Dolmetschen ins Gebärdensprache möglich mit einer Anmeldung bis am 05.03.

Podiumsdiskussion

Die Auftaktveranstaltung der Internationalen Wochen gegen Rassismus Esslingen widmet sich dieses Jahr der Thematik des Antimuslimischen Rassismus und vor allem dessen Bekämpfung. Innerhalb einer Podiumsdiskussion werden Samira Ghozzi, Lukas Müller, Janine Sieber das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Positionen betrachten und sich mit der übergeordneten Frage auseinandersetzen, was es für Gleichberechtigung innerhalb der Gesellschaft braucht.

Darüber hinaus soll Raum für einen kreativen Beitrag von I,Slam sowie Fragen sein.

An dieser Stelle war es der Antidiskriminierungsstelle Esslingen wichtig, vor allem sich als muslimisch identifizierende Personen zu Wort kommen zu lassen. Allgemein soll es jedoch nicht darum gehen, dass Muslim:innen von persönlichen (Rassismus)Erfahrungen berichten müssen, sondern wie ein gerechtes und gleichberechtigtes Miteinander aussehen kann und was dafür von Seiten einer weißen, nicht von Rassismus betroffene Mehrheitsgesellschaft, notwendig ist.

Von I,Slam

Meryem Polat. Sie ist Spoken Word Artistin und schreibt seit ihrem 15. Lebensjahr, allerdings performt sie erst seit einigen Jahren ihre Texte. Sie hat einen Bachelor in Literaturwissenschaften und hat nach ihrem Studium im Theater gearbeitet. Seit letztem Herbst studiert sie Islamwissenschaften im Master an der Universität Köln und arbeitet nebenbei als Theaterpädagogin und gibt Workshops an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen.

Samira Ghozzi, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen, BA Islamische Theologie an der Universität Tübingen, MA Religionswissenschaft mit Schwerpunkt Medien an der Universität Bremen.

Lukas Müller studierte Pädagogik, Politikwissenschaften und Soziologie in Würzburg. Während seines Studiums engagierte er sich im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und in der Arbeit mit geflüchteten Menschen. Seit 4 Jahren ist er in der Mobilien Jugendarbeit Winnenden tätig und arbeitet dort mit marginalisierten und von Rassismus betroffenen jungen Menschen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Empowerment, Erlebnispädagogik und geschlechterreflexives Arbeiten.

Janine Sieber, Sozialarbeiterin (B.A.) und derzeit in einem frauenspezifischen Träger der Wohnungsnotfall- und Suchthilfe in Stuttgart tätig. Unter anderem im ambulant Betreuten Wohnen für suchtmittelabhängige/substituierte Frauen, Frauen nach dem Ausstieg aus der Prostitution sowie Frauen mit Essstörungen. Seit Ende 2019 ehrenamtlich bei der Antidiskriminierungsstelle Esslingen aktiv.


Social Media Projekt

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus entsteht ein Social Media Projekt des KOMMA mit Beteiligung von PODIUM Esslingen, das sich über zwei Wochen erstreckt und am 21. März seinen Höhepunkt hat. Bekannten Persönlichkeiten aus der Region werden Fragen gestellt, so entstehen kurzen Videobotschaften, diese werden auf den Online Plattformen aller beteiligten Institutionen der IWgR geteilt.

Wir stellen den Menschen Fragen zum Thema Rassismus, die nicht oft gestellt werden (zum Beispiel: „Wo fängt in Ihren Augen Rassismus an?“). Wir geben eine Anregung zur Diskussion und dazu, online in einen Dialog zu treten. Dabei wollen wir die Zuschauer:innen nicht alleine lassen, daher werden die Beiträge um Informationen ergänzt und weisen auf weiteres Material hin, um sich tiefergehend mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen.

Um auch außerhalb der Sozialen Medien Aufmerksamkeit zu schaffen, werden im Esslinger Stadtraum Geschichten von Rassismuserfahrungen Esslinger Bürger:innen während der Internationalen Wochen gegen Rassismus mit Kreide sichtbar gemacht.


Setze ein Zeichen gegen Rassismus mit buntES von deiner Küche aus. 

Wir wollen wissen: “Was kochst Du gegen Rassismus?”

Lade in diesem Zeitraum ein Bild und Rezept auf deinem Facebook- oder Instagram Profil hoch, schreibe dazu, warum Du das Gericht gewählt hast * und füge die Hashtags #bunt_es #KochengegenRassismus hinzu.

ODER

Schicke es uns an buntes@gmail.com – wir veröffentlichen Deinen Beitrag auf der buntES Facebook- und Instagram Seite.

*Stelle sicher, dass es sich um ein von Dir erstelltes Foto / Rezept handelt und wenn nicht, vergiss nicht, die Quelle zu nennen. Dein Beitrag wird Teil der buntES „Willkommen Welt!“ Rezeptsammlung.


Wenn viele gemeinsam träumen…Sei du Teil einer neuen Wirklichkeit und eines neuen Miteinanders

Samstag, der 20. März 2021

Die erste gemeinsame Veranstaltung der Esslinger Wochen gegen Rassismus und der Esslinger Frauenwochen mit Angelina Haug, Kulturwandel-Botschafterin & Lebenswegbegleiterin

Interaktiver Online-Workshop – bitte mit Videobild am Workshop teilnehmen Organisiert vom Frauenrat Esslingen und der Antidiskriminierungsstelle Esslingen

Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum;
Wenn viele gemeinsam träumen,
ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit.
Friedensreich Hundertwasser

Wie sähe unsere Welt aus, wenn es egal wäre, welche Hautfarbe du hast, wie alt du bist, welchem Geschlecht durch dich zugehörig fühlst, welche Religion dir heilig ist, wie dein Körper aussieht, welches Geschlecht du sexuell anziehend findest, aus welchem Land du oder deine Vorfahren kommen. In unserer jetzigen Welt ist das nicht egal. Unsere ganze Welt ist durchdrungen von Diskriminierung und zwar seit Jahrhunderten. Diskriminierung ist überall und sie ist für uns normal, weil wir in dieser Welt aufgewachsen sind. So handeln, sprechen und denken wir – meistens ohne es absichtlich zu wollen – einem anderen Menschen gegenüber herabwürdigend. In diesem Online-Workshop wollen wir unsere Wahrnehmung schulen und uns sensibilisieren, damit wir Teil einer neuen Wirklichkeit werden können. Einer Wirklichkeit, in der alle Menschen an einem guten Leben teilhaben können, weil wir Menschen alle gleich-wertig sind.

Anmeldung
Eine Anmeldung ist erforderlich unter anmeldung@ad-es.de. Wenn Sie einen Dolmetschen ins Gebärdensprachen möchten, bitte melden Sie sich spätestens bis zum 10.03.


SOLINGEN 93 – 25 JAHRE DANACH

Sonntag, 21.März um 11 Uhr

Im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus bietet ADG / Interkulturelles Forum e.V. am die Filmvorstellung „Solingen 93 – 25 Jahre danach“ online über Zoom an. Nach den fürchterlichen Szenen in Hanau am vor 1 Jahr hat dieser Film besondere Bedeutung. Nach der Filmvorstellung wird eine Frage- und Diskussionsrunde stattfinden, in der die aktuelle Situation kritisch analysiert wird.

Zum Film „SOLINGEN 93 – 25 JAHRE DANACH“: Am 29. Mai 2018 jährte sich der rechtsextrem motivierte Solinger Brandanschlag zum 25. Mal. Damals verloren in dem Brand, der in dem Haus der türkischstämmigen Familie Genç gelegt wurde, fünf Frauen und Kinder ihr Leben, 17 weitere Personen wurden teilweise schwer verletzt. Im Gedenken an die Tat entstand unter der Regie von Ömer Pekyürek ein 26 Minuten langer Spielfilm, der 2019 mit dem Deutschen Generationenfilmpreis ausgezeichnet wurde.

Hier sind Link und Teilnahmedaten:
Meeting ID: 683 506 0914
Kenncode: 8GADff


Programmbeitrag Kommunales Kino Esslingen und vhs Esslingen

THE 13TH

Streaming-Tipp (exklusiv bei Netflix)

Dokumentarfilm | USA 2016 | 100 Minuten | OmU | FSK nicht geprüft

Regie: Ava DuVernay

Der 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verbietet seit seiner Einführung 1865 Sklaverei in den USA. Ava DuVernay setzt sich in ihrem Dokumentarfilm über die Situation von Afroamerikanern damit auseinander, dass das Ideal einer Gesellschaft freier und gleicher Bürger an einer Realität gescheitert ist, zu der nach wie vor massive Ungleichheit und Rassismus gehören. Im Zentrum stehen dabei das Justizsystem, der Strafvollzug und Polizeigewalt gegen Afroamerikaner. Mit zahlreichen Interviews und Archivmaterial, das auch historische Entwicklungen sichtbar macht, entwickelt der Film ein alarmierendes, facttenreiches Bild politischer Versäumnisse und gesellschaftlicher Schieflage.


Streaming-Tipp: JUST MERCY (z.B. bei www.chili.com ohne Abo)

Spielfilm | USA 2020 | 137 Minuten | deutsche Fassung | FSK 12

Regie: Destin Daniel Cretton Darsteller*innen: Michael B. Jordan · Jamie Foxx · Brie Larson

Film Name: JUST MERCY Copyright: © 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. Photo Credit: Jake Giles Netter Caption: (L-r) MICHAEL B. JORDAN as Bryan Stevenson and JAMIE FOXX as Walter McMillian in Warner Bros. Pictures drama, JUST MERCY, a Warner Bros. Pictures release.

Ein afroamerikanischer Harvard-Absolvent wird 1988 in Alabama Teil der „Equal Justice Initiative“, die auch den Menschen ein gerechtes Strafverfahren ermöglichen will, die sich keinen Anwalt leisten können. Er nimmt sich des Falles von Walter McMillian an, der aus fadenscheinigen Gründen zum Tode verurteilt wurde, und erkämpft seine Freilassung. Der exzellent besetzte Film verzichtet auf Dramatisierungen, deckt kompromisslos den Rassismus und die Willkür der US-Justiz auf. Ein kraftvolles Plädoyer für Gerechtigkeit und Zivilcourage.